Die Entwicklung von Sharepoint Lösungen wird klassischerweise immer in einer virtuellen Umgebung durchgeführt, jeder Entwickler arbeitet in “seiner” VM. Würden alle Entwickler auf einem Testsystem arbeiten und testen/debuggen würden sie sich ständig in die Quere kommen. Während der Entwicklung sind immer wieder ‘iisreset’ nötig oder zumindest ein “Recycle” von betroffenen Application Pools. Sobald also mehr als ein Entwickler an einem Sharepoint Projekt arbeitet ist es wenig sinnvoll direkt auf einem Testsystem zu debuggen. In den meisten Unternehmen gibt es zum Testen von entwickelten Lösungen eine Sharepoint Test/Staging Farm, welche der Produktivfarm in punkto Berechtigungen etc. ähnelt. Von dort aus wird dann, nach dem Testen, weiter auf eine Produktivfarm ausgerollt.
Für Sharepoint 2010 wollen wir uns in 3 Schritten eine “Bootable VHD” erstellen (aus Performancegründen), welche unsere gesamte Entwicklungsumgebung enthält.
1. Virtuelle Disk erstellen
Erster Schritt hierzu: Wir müssen uns eine neue “Virtuelle Disk“ erstellen. Das geht unter Windows 7 am einfachsten mit der Datenträgerverwaltung (siehe Abb.1)
Abb.1
Mittels Rechtsklick “Create VHD” wird eine neue VHD erstellt. Die Grösse der VHD darf ruhig > 30GB sein. Wichtig ist auch, hier gleich “Fixed Size” zu wählen-> Bootable VHDs werden beim booten immer auf die volle Grösse expandiert, auch wenn sie dynamisch sind!
Nachdem die VHD erstellt ist, kann man sie mittels Rechtsklick darauf initialisieren, ein Volume erstellen und gleich auch einen Laufwerksbuchstaben vergeben (wir wählen im Beispiel X:). Unsere VHD unter X: ist nun bereit mit einem Betriebssystem ausgestattet zu werden.
Abb. 2
Abb. 3
2. Betriebssystem installieren
Um Windows Server 2008 R2 auf die VHD zu bringen verwenden wir das Windows Automated Installation Kit (WAIK)welches gratis zum Download bereit steht.
Nach der Installation von WAIK steht im Ordner [WAIK]\Tools\x86 ein Tool namens imagex.exe zur Verfügung. Mittels imagex werden wir Windows Server 2008 R2 auf unserer VHD installieren.
Im Beispiel berfindet sich das Original Medium von Windows Server unter G:\.
Folgende Kommandos bringen uns zum Ziel:
> imagex /INFO G:\sources\install.wim
Listet alle verfügbaren Editionen (Images) von Windows Server in unserem Installationmedium (G:) auf. Siehe Abb. 4

Abb. 4
Im Beispiel wählen wir Image 1 –> Die Standard Edition von Windows Server2008 R2
> imagex /APPLY G:\sources\install.wim 1 X:
Installiert Image 1 auf unsere VHD unter X:\.
Nachdem die Installation abgeschlossen ist, wählen wir im Disk Management von Windows 7 die Option “Detach Disk”. Nun bleibt nur mehr die Konfiguration des Bootloaders von Windows 7 übrig.
3.) Bootloader für VHD Boot konfigurieren
Der Bootloader wird mit bcdedit.exe konfiguriert.
Als erstes betrachten wir die aktuellen Einträge im Bootloader.
>bcdedit /v
Abb. 5
Nun erstellen wir uns einen neuen Eintrag mit einer Bezeichnung unserer Wahl.
> bcdedit /copy {current} /d “Bezeichnung der neuen VHD”
Danach legen wir noch die Optionen für den neuen Eintrag fest. Dazu kopieren wir die GUID (identifier) des neuen Eintrages und setzen sie bei folgenden Kommandos für [GUID] ein. In Abb. 5 wäre die GUID
zum Beispiel {98ac8a62-ad82-11de-8eb3-bf05d4970d63}.
> bcdedit /set [GUID] device vhd=[C:]\VPC\NeueDisk.vhd
> bcdedit /set [GUID] osdevice vhd=[C:]\VPC\NeueDisk.vhd
> bcdedit /set [GUID] detecthal on
Abb. 6
Hat alles geklappt sollte der neue Eintrag ähnlich Abb.6 aussehen.
Beim Neustarten des Rechners scheint der neue Eintrag dann im Bootmenü auf. Beim Ersten Start von der VHD wird die Hardwareerkennung gestartet und das System eingerichtet.
Voilá, fertig ist unsere Boot-to-VHD Umgebung.
Downloads:
Windows Automated Installation Kit (WAIK)